Fundstück 1 – 1. Versuch

Der folgende Text ist ein Prolog und es ist der aller-aller-erste Text, den ich für Gelobtes Land geschrieben habe. Ich teile ihn in zwei Blog-Posts aus, weil er recht lang ist. Darunter findest du deinen heutigen Tipp zu nachhaltigem Konsum.

Prolog: Gelobtes Land / 1. Versuch / 2016

Goldgelb wiegt sich der Weizen im Wind. Lida legt die Hand über ihre Augen und zwinkert ins gleißende Rot der untergehenden Sonne. Quellwolken türmen sich dicht über der Erde auf. Ein Gewitter zieht unaufhaltsam von Osten her über die flache Ebene. Kein Berg, kein Hügel versperrt die Sicht. Nur plattes Land soweit das Auge reicht, dahinter die Küste mit seinem kiesgrauem, aufgewühltem Meer, den grobkörnigen Stränden und windschiefen Häuschen.
›Wie das Land, so die Leute‹ sagt man, und den Nordlichtern eilt der Ruf voraus, zäh und widerstandsfähig zu sein. Vor Zeiten, die so lange zurückliegen, dass zwischen wahrer Geschichte und Legende nicht mehr zu unterscheiden ist, standen entlang der Küste herrschaftliche Villen. Das war, bevor sich die Ufer-Linie mehrere hundert Kilometer ins Land fraß und alles mit sich riss, was ihr im Weg lag.
Die damaligen Küstenbewohner seien ein stolzes, welterfahrenes Volk gewesen sein, die herumkamen und fremde Kulturen mit nach Hause brachten. In den Häfen der großen Städte lagen gigantische Transport- und Passagierschiffe, manche so groß wie zehnstöckige Häuser. Kleine, eigene Welten, nur gebaut zum Vergnügen seiner Reisenden, und um Waren bis in die entlegensten Winkel zu transportieren.
Doch heute gibt es keinen mehr, der erzählen kann, ob es sich nur um ein schönes Märchen oder um reale Begebenheiten handelt. Niemand der diese Zeiten erlebt hat. Keiner, der die Berichte von einem Augenzeugen vernommen hat. Und so werden die Geschichten dünner und runzeliger mit der Zeit, so wie die Haut der Menschen am Meer, indem es weder Fische, noch gesunde Pflanzen gibt.
Lida wundert sich über den Gang ihrer Gedanken und nimmt die Hand über ihren Augen fort, um sich auf die Arbeit, die vor ihr liegt, zu konzentrieren. Es ist spät und das Pensum muss geschafft werden.
Die Binnenland- Menschen hier sind von einem anderen Schlag, als die am Meer. Weder welterfahren, noch gebildet, und statt neugierig furchtsam vor Fremden. Kautschukträger, wie sie von den Leuten im Norden aufgrund ihres Schuhwerks verächtlich genannt werden sind streb- und folgsame Menschen, die um nichts bitten und ihre Last mit stoischer Gleichgültigkeit ertragen. Sie bleiben auf ihren paar Hektar Land von der Geburt bis zu ihrem Tod, sei denn sie werden vertrieben.
Das Leben eines Kautschukträgers besteht aus aussähen, einfahren und abgeben. Letzteres tun sie nicht freiwillig. Wer hier aufwächst, kann sich für eine der beiden Seiten entscheiden: zusammen rotten und von den anderen nehmen, oder zusammen rotten und die anderen abwehren. Wer weniger als drei Familienmitglieder hat, ist auf Dauer verloren. Kein Kampf kann mit nur zwei Menschen gewonnen werden. So versucht jeder in einem Clan Unterschlupf zu finden oder in sehr kurzer Zeit sehr viele Kinder zu gebären. Niemand nimmt gerne Kleinfamilien auf, sei denn sie sind von ausgeprägt kräftiger Statur. Kleinfamilien bedeuten Gefühle wie Mitleid, Trauer oder sogar Liebe. Und Gefühle bedeuten Schwäche. Hier glaubt keiner an die alten Geschichten. Es war nie schön und es wird nie schön sein.
Die Brise wird kräftiger und beginnt an den dünnen Halmen zu zerren. Lida blickt in Richtung Meer, das irgendwo hinter dem Horizont sein muss, zu dem sie aber nie gelangen wird. Ihre blauen Augen sind trüb und tränen vom Weizenstaub. Unter ihrem abgetragenem Kittel wölbt sich ihr Bauch. Erschöpft wischt sie sich den Schweiß von der Stirn. Keine Zeit zum Innehalten, das Getreide muss gemäht sein, bevor das Gewitter da ist. Mühsam schwingt sie die Sense in die Höhe und lässt sie auf die langen Halme niedersausen. Ein Bündel fällt in sich zusammen. Lida kommt der Gedanke, dass die aneinander geschmiegten Gräser einer zusammengedrängten Menschenmenge gleichen: bleich und dürr, keiner vom anderen unterscheidbar. Sie schüttelt den unnützen Gedanken ab und zieht die Sense erneut hoch, lässt sie einen Moment über ihrer rechten Schulter verharren, um sie dann wieder gen Boden zu schwingen. Doch bevor sie den Weizen berührt durchzuckt Lida ein unbekannter Schmerz. Das Werkzeug fällt aus ihrer Hand und gleitet zu Boden. Überrascht und schmerzverzerrt beugt Lida sich vor und umschlingt mit beiden Armen ihren mächtigen Bauch. Einen kurzen Augenblick verharrt sie in dieser grotesken Pose und lauscht ohnmächtig dem Rauschen in ihrem Kopf. Doch so urplötzlich dieser überwältigende Schmerz von ihr Besitz ergriff, so plötzlich ist er wieder verschwunden. Zögerlich tastet sich Lida in die Senkrechte vor und horcht sie in sich hinein, in furchtsamer Erwartung ein zweites Mal vom Schmerz überwältigt zu werden. Doch nichts. Wie ein Phantom ist er verschwunden und schon in nächster Sekunde zweifelt Lida daran, dass er wirklich da war. Es ist heiß und sie steht schon lange ungeschützt in der Sonne, da passieren einem ab und wann seltsame Dinge. Seit dem Vorfall hat der Himmel seine schützende Schicht verloren. Jeder weiß das, selbst die ungebildeten Kautschukträger. Dafür muss man auch nicht zur Schule gehen oder lesen können. Jeder in dieser Region kennt die Todesfälle, die den Wucherungen folgen aus der eigenen Familie. Dicke, eitrige Geschwülste, die das Innerste nach außen kehren. Und nicht nur hier, das geht den Menschen so bis hinauf zum Meer. Manche sagen, sogar bis ins gelobte Land. Diesen unbeschriebenen, unbeschreiblichen Ort, von dem Lida nicht einmal zu träumen wagt. Wer träumt, der stirbt früh.
Schwarze Silhouetten in der Ferne schieben sich in ihr Blickfeld. Lida wendet den Kopf, um ihnen besser gewahr zu werden. Stumm zählen ihre Lippen nach. Sieben. Die Lungingers. Vom Westen kommen immer die Lungingers, vom Süden die Crupps. Sieben, die ganze Bagage also. Große, kräftige, kompromisslose Geschöpfe, die darauf lauern, dass der Regen kommt und ein Teil der Ernte liegen gelassen wird.
Abschätzig schnaubend hebt Lida die Sense erneut in die Höhe. Heute nicht. Heute werden die Lungingers nichts abbekommen von der mageren Ernte. Denn heute wird ihr Sohn geboren. Und ihr Sohn, das steht für Lida fest, ihr Sohn wird den Lungingers und den Crupps und den ganz anderen Teufeln das fürchten lernen. Ab heute sind sie keine Kleinfamilie mehr.

Let us be heros for more than one day

Wenn du mir schon länger folgst, kennst du den Tipp vielleicht bereits, wenn nicht, hoffe ich, dass er dir gute Dienste leistet!

Held 1: Natron

Mein aller-aller-liebstes Superhelden-Tool ist Natron. Kann man wirklich viel mit machen: Waschbecken von Kalk befreien, Klo putzen, Fugen sauber kriegen (hört sich an, als wenn ich gerne putze, ist aber nur bedingt richtig), mit etwas Spüli in die Spülmaschine, wenn die Tabs alle sind – blitzblankes Geschirr. Obst und Gemüse reinigen, backen (auch das tue ich nicht gerne, aber wenn es sein muss: Natron statt Backpulver!) und notfalls kann es sogar in die Waschmaschine geschüttet werden – etwas Duftöl dazu – Tada: frische Wäsche. Ach ja, als Deo-Ersatz taugt es auch. Beim Putzen lässt es sich sehr gut mit Essig oder Zitronensäure verbinden, vor allem für die Hardcore -Bereiche Klo (über Nacht einweichen und morgens mit Essig nachputzen) und Kalk auf Mischbatterien. Hier lässt sich eine Menge Gift und auch Geld einsparen: Eine Packung Natron kostet gerade mal zwischen 1-2 Euro.

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